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Countdown 20: Was macht eigentlich ein Prof im Ruhestand?

„Ich stehe um sechs Uhr auf“, hatte er gesagt, als wir einen Atelierbesuch „morgens“ vereinbaren wollten. Ruhestand? 08:30 Uhr befinden wir uns im wunderschönen Altbau im Dortmunder Klinikviertel und wollen hier der Frage nachgehen, was Emeriti nach ihrer Dienstzeit an der Universität machen. Aufgeräumt und stilecht im Malerkittel steht er vor uns, denn Prof. Arno Behr (Technische Chemie 1996 – 2017) ist nach seinem Ruhestand unter die Künstler gegangen.

Kalenderblatt_20_Bild_ProfBehr

Schon während seiner Dienstzeit hatte er ein wenig gemalt. Nun hat er endlich richtig Zeit dafür. Überall in der Wohnung hängen seine Bilder. Ganz verschiedene Stile und Techniken probiert er aus. Porträts sind darunter, Landschaften, Stillleben, Kopien berühmter Werke - in Öl, Acryl und Aquarell. „Ich komme gerade von einem Kunst-Lehrgang aus der Provence, da hab ich mal ein paar verrücktere Sachen ausprobiert.“ Gleich an der Tür hatte uns eine Reihe bekannter Gesichter empfangen, denn Behr arbeitet an Porträts aller aktuellen BCI-Professorinnen und Professoren. Ein Quartett mit Dame hat er schon zusammen. 

Was er sonst noch so macht? „Mein Französisch muss besser werden.“ Und außerdem ist er der BCI natürlich noch sehr verbunden. Für den neuen Hörsaal wird er zwei große Bilder malen, unterstützt vom Alumni- und Förderverein, je ein Motiv zum Bio- und zum Chemieingenieurwesen.

Wir freuen uns und setzen die Recherche nach Professoren im Ruhestand in Berlin fort.

Kalenderblatt_20_Bild_Mediation„Und dann geben sich die Streithähne die Hand, da bin ich natürlich dabei!“ Prof. Henner Schmidt-Traub (Anlagentechnik 1989 – 2005) schmunzelt oft, wenn er von seinem Ehrenamt als Mediator an einer Berliner Schule erzählt. Er hat ein besonderes Faible für Soft Skills und ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein hanseatischer Humor und Charme können Menschen „fangen“. Weil er wusste, dass es wichtig ist und im Studium zu kurz kommt, entwickelte er nach seinem Eintritt in den Ruhestand (!) die Master-Wahlveranstaltung „Soft Skills und Managementmethoden“, die er viele Jahre erfolgreich angeboten hat. Seine kommunikativen Fähigkeiten nutzt er neben dem ehrenamtlichen Engagement an der Schule jetzt außerdem auch noch als Sprecher seiner Hausgemeinschaft und bezeichnet das gerne als Arbeit wie mit einem Flohzirkus: „Jeder will etwas anderes!“. Und wie viele andere Kollegen publiziert er noch gelegentlich. Zurzeit arbeitet er an einer neuen Auflage eines Fachbuchs.

Kunst und Ehrenamt stehen für Behr und Schmidt-Traub im Mittelpunkt. Sie bleiben aktiv. Das hat sie schließlich schon das ganze Leben lang ausgezeichnet.
Sie machen, was viele in der Rente machen und vielleicht ein bisschen mehr davon, damit sie nicht rosten: Sie lesen, sie pflegen ihre Archive und Netzwerke, sie halten Kontakt zu ihren ehemaligen Kolleginnen und Kollegen und den Doktorandinnen und Doktoranden. Sie sind endlich mehr für ihre Familie da, sie reisen. Sie machen Pläne und bilden sich, sie haben Ämter und machen sich nützlich. Sie pflegen ihre Gärten und halten sich mit Sport gesund. Nur eines machen sie nicht - sich zur Ruhe setzen.