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Countdown 46: Was machen die Strömikollegen unter dem ZDF-Experimentiertisch

Wissenschaft, Kino oder Fernsehen gehören nicht so ohne weiteres zusammen. Filme und Serien über Berufe aus dem Rechtswesen, dem Journalismus, über Polizistinnen und Polizisten, über Kapitäne (ja, nur männliche!) gibt es zuhauf. Auch weniger spektakuläre Berufe wie Lehrerinnen oder Lehrer sind Thema in Filmen und Serien.

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Aber Filme über Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler? Oder gar über Ingenieurinnen und Ingenieure? Da wird es schon eng. Glücklicherweise hat die Kinoindustrie in letzter Zeit gemerkt, dass es auch abseits der typischen Traumberufe etwas zu holen gibt: Filme und Serien aus der Mathematik („A beautiful mind“, „Good will hunting“, „The imitation game“, „Hidden figures“), Ingenieurinnen und Ingenieure auf dem Mars („Der Marsianer“), wissenschaftliche Methoden der Forensik („CSI“) oder die deutsche Fernsehfilmproduktion über Clara Immerwahr zeugen davon. Sie sind echte Bereicherungen der Filmlandschaft und helfen in nicht unerheblichem Maße, die Berufsbilder und Methoden des Ingenieurwesens populär zu machen.

Ansätze dazu, Wissenschaft unterhaltungstauglich zu machen, gab es aber auch schon deutlich früher. So war in den 80er bis 2000er Jahren die „Knoff-Hoff-Show“ Vorgängerin heutiger Infotainment-Formate wie „Quarks“ oder „Galileo“. Von Joachim Bublath erfunden, führte die Show in vergnüglicher Form mithilfe von Experimenten wissenschaftliche Phänomene und Zusammenhänge vor und entwickelte sich zu einem echten Quotenrenner. 2004 ging den Machern die Ideen-Puste aus, zwei letzte Folgen 2005 beendeten das bekannte ZDF-Fernseh-Kapitel.

Und was machten denn nun die Strömikollegen unter dem Experimentiertisch des Moderators Joachim Bublath?

Nach Ideen und möglichen Beiträgen zur Show befragt, hatte sich im Jahr 1996 (Folge 63) auch der damalige Lehrstuhl für Energieprozesstechnik und Strömungsmechanik unter Prof. Strauß beteiligt. Demonstriert wurden z.B. originelle Viskositäts-Phänomene. So bestaunte das Publikum, wie der Co-Moderator sich in ein Bad stürzte, ohne dass Wasser spritzte. Das Bad war natürlich zuvor von den technischen und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Strömungsmechanik speziell präpariert worden. In der Auflösung erfuhr das Publikum dann, wie dies mit der Viskosität der Flüssigkeit im Bad zusammenhing.

Wissenschaft fernsehtauglich zu machen, heißt auch, sie perfekt in Szene zu setzen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Strömungsmechanik gab es in dieser Hinsicht viel zu lernen: Das Phänomen sollte spannend und verblüffend sein. Es muss alles funktionieren, gut aussehen und Nebengeräusche sind absolut unerwünscht. Auch die kleinste Kleinigkeit ist wichtig und so kam es, dass bei einem der Experimente, die der Lehrstuhl Strömungsmechanik für die Knoff-Hoff-Show durchführte, drei Mitarbeiter unter Bublaths Experimentiertisch saßen.

Bublath führte ein Experiment vor, in dem aus einem Rohr eine Flüssigkeit in einen durchsichtigen Becher lief. Das Glas jedoch wurde nicht voller, sondern stattdessen leerer. Was wie Zauberwasser aussah, war eine nicht-newtonische Flüssigkeit, die aus dem dickwandig konstruierten Glasrohr austrat. Die Flüssigkeit wurde im Rohr hochgesaugt, streifte sich direkt am Rohrrand ab und floss äußerlich wieder nach unten ab. Das Experiment wurde mit Unterdruck betrieben. Sobald das Rohr leergesaugt war, entstand ein hässliches schlürfendes Geräusch, das man kennt, wenn man mit dem Strohhalm ein Glas leer getrunken hat. Um dieses Geräusch zu vermeiden, saß Mitarbeiter 1 unter dem Tisch und drückte den Schlauch von der Pumpe ab, sodass aus dem Röhrchen am Ende keine Luft mehr angesaugt werden konnte. Ein Ventil wäre hier eine elegantere ingenieurtechnische Lösung gewesen. Es war bei Sendung aber nicht zur Hand. Mitarbeiter 2 schaltete die Unterdruckpumpe aus.Für das direkt folgende Experiment, bei dem eine Flüssigkeit auf einen sich drehenden Zylinder aufgerollt wurde, zog Mitarbeiter 3 bei Experimentende unter dem Tisch den Stromstecker, weil Bublath mit dem zum Ausstellen des Experiments vorgesehenen Druck-Schiebeschalter nicht zurechtkam.
Es existiert eine Videokassette der Folge, die demnächst dem neu entstehenden BCI-Museum übergeben wird.