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Countdown 47: Von der BCI ins eigene Unternehmen

Neulich kam er mit dem Tretroller zu Besuch an seine alte Fakultät, ansonsten ist Thorsten Seipp aber nicht für das typische Hipster-StartUp-„Gedöns“ zu haben. Kein Bart, kein Sendungsbewusstsein und - auch das ist ja selten geworden in der Szene - ein produzierendes Industrieunternehmen. Bei allem Erfolg ist er bei seiner bescheidenen, besonnenen Art geblieben, die ihn vor fast zehn Jahren schon als Fachschaftsvorsitzender der Fakultät BCI auszeichnete.

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Aber der Reihe nach:

2006 schrieb sich Seipp in den letzten Diplomjahrgang ein. Fünf Jahre später hielt er sein Diplom in den Händen - ECTS-Prädikat „A“.

Schon während des Studiums hatte er im ChemCar-Wettbewerb bewiesen, dass er neben einem klugen Kopf auch zwei geschickte Hände hat. Beim ChemCar-Wettbewerb geht es darum, ein Auto zu bauen, das mithilfe einer chemischen Reaktion angetrieben wird. Das Dortmunder Team von 2010, dem Seipp angehörte, hatte damals die für den Antrieb des Elektromotors benötigte Energie mit einer Reihenschaltung von galvanischen Zellen bereitgestellt. Während seiner Promotion am Fraunhofer-Institut UMSICHT dachte Seipp diese Idee noch einmal neu. Technisch verfeinert mündete sie 2015 in ein eigenes Unternehmen.

Volterion, gegründet von Seipp und seinem Partner Martin Gebauer, produziert kleinformatige Redox-Elektro-Batterien nach dem „Redox Flow“-Prinzip. Solche Batterien fungieren u.a. als Energiespeicher für erneuerbare Energien. So kann beispielsweise Solar-Energie auch dann bereitgestellt werden, wenn es keine Sonne gibt. Seipp und Gebauer, mehrfach mit Gründerpreisen geehrt, u.a. mit dem tu>startUp-Preis und dem Gründerpreis der ACHEMA, können mit ihrer Technik automatisiert und kostengünstig Batterien bauen.

Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer erzeugen mit Volterion-Batterien nun bis zu 80 % ihres Stroms durch eigene Photovoltaikanlagen, früher waren es nur 30 %. Wie gut das funktioniert, werden demnächst sechs Familien im „Klimaviertel Herne“ testen, die Volterion-Batterien für ihre Hausenergieversorgung einsetzen. Der erste Spatenstich für das Modellprojekt klimagerechten Wohnens wurde im April 2018 gesetzt.

„Während des Studiums habe ich all die Dinge gelernt, die ich heute anwende. Beim ChemCar-Wettbewerb sind wir damals nur auf dem undankbaren vierten Platz gelandet, aber das hat mich nicht entmutigt. Ich habe auch gelernt, mich durchzubeißen.“

Seipp zeigt mit seinem Weg, wie Chemieingenieurinnen und -ingenieure dazu beitragen können, die Global Challenges zu lösen.

Und weil er nicht nur dienstlich auf Nachhaltigkeit setzt, sondern diese auch privat verinnerlicht hat, erzählen wir jetzt auch die Sache mit dem Tretroller zu Ende.Den benutzt Seipp nämlich, um von der U-Bahn zu seinem Arbeitsplatz zu kommen. Phönix West in Dortmund, wo Volterion sich angesiedelt hat, ist aktuell noch nicht ideal an den Öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Die letzten Meter überbrückt Seipp mit dem Tretroller, um Zeit zu sparen. Und auch den Roller konnte er noch verbessern, er hat sich einen Spritzschutz an die Räder gebastelt. Im Design wäre da vielleicht noch Luft nach oben, aber er funktioniert – irgendwie ingenieurlike.

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