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Professor Thommes tritt seinen Dienst an

Mit der Überreichung der Ernennungsurkunde vor einigen Wochen ist er nun offiziell in den Kreis der Professorenschaft der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen aufgenommen: Prof. Dr. rer. nat. Marcus Thommes, den wir hiermit herzlich begrüßen. Prof. Thommes (Lehrstuhl Feststoffverfahrenstechnik) tritt die Nachfolge von Herrn Prof. Walzel (Lehrstuhl Mechanische Verfahrenstechnik) an. Im folgenden Interview haben wir ihn zu seiner Vita, den Gründen nach Dortmund zu kommen und zu seinen Plänen an der Fakultät befragt. (Foto: A. Küsters)

Prof_Thommes_mini_Meldung

Herr Thommes, herzlichen Glückwunsch und alles Gute zu Ihrem Start an der BCI.  Da Sie hier bis jetzt erst wenigen bekannt sind, erzählen Sie uns doch bitte etwas zu sich.

Ich habe an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) Pharmazie studiert und mich bereits während meines Studiums für Fragestellungen der Produktgestaltung interessiert. Deshalb habe ich schon als Student kleinere wissenschaftliche Projekte am Institut für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie als Hilfskraft bearbeitet. Während dieser Zeit wurde mein Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten in der Produktentwicklung geweckt, weshalb ich dann auch eine Diplomarbeit zu einem Granulationsthema in Kooperation mit der BASF angefertigt habe. Während meiner Promotion bin ich dem Ruf meines Doktorvaters Professor Dr. Dr. Peter Kleinebudde an die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf gefolgt und habe mich dort mit der Herstellung von kugelförmigen Granulatpartikeln beschäftigt, wobei neben der Formulierung auch die prozesstechnische Optimierung im Mittelpunkt stand. Nach der Promotion bin ich an die Purdue-University in West Lafayette, IN, USA gegangen und habe mich dort mit verschiedenen energetischen Zustände von Materialien und deren Einfluss auf physikochemische Eigenschaften beschäftigt. Von dort bin ich zurück nach Düsseldorf gewechselt und habe in den letzten Jahren vor allem Fragestellungen der Produktgestaltung bearbeitet, womit ich mir über die Jahre eine eigene Arbeitsgruppe aufgebaut habe.
Im Moment arbeite ich vermehrt auf den Gebieten Hochviskostechnik und Granulation, wobei mich die Formulierung, die Prozessführung und auch Charakterisierung von pharmazeutischen Produkten besonders interessiert. Allerdings habe ich auch verschiedene nicht pharmazeutische Fragestellungen bearbeitet, beispielsweise die Herstellung von Schiffslacken oder die Produktion von Frühstücksflocken. In vielen Projekten bearbeite ich seit Jahren Fragestellungen der thermischen oder auch mechanischen Verfahrenstechnik, wozu ich auf verschiedenen Tagungen und Seminaren der Ingenieure beigetragen habe.

Wollten Sie schon immer Wissenschaftler werden?

Nein, mein Interesse für die Wissenschaft wurde erst während des Pharmaziestudiums geweckt. Während dieser Zeit konnte ich Einblick in verschiedene Forschungsgebiete wie Arzneistoffsynthese, Biochemie und Wirkstoffformulierung nehmen. Für die pharmazeutische Verfahrenstechnik habe ich mich erst zum Ende meines Studiums entschieden.

Was fasziniert Sie als gelernten Pharmazeuten an der Arbeit an einer ingenieurwissenschaftlichen Fakultät einer Technischen Universität?

In den letzten Jahren haben sich die Forschungsthemen im Bereich der pharmazeutischen Verfahrenstechnik verschoben, weshalb an den meisten deutschen Lehrstühlen Themen wie Nanopartikel, Tissue-Engineering und Absorptionsmodelle im Mittelpunkt der Forschung stehen. Deshalb suche ich seit mehreren Jahren wissenschaftlichen Austausch mit Kollegen aus den Ingenieurswissenschaften. Letztendlich ist mein Wechsel an eine ingenieurwissenschaftliche Fakultät das Ergebnis meiner akademischen Entwicklung der letzten Jahre.
Gerade die wissenschaftliche Ausrichtung einiger Kollegen am BCI eröffnet mir zahlreiche Möglichkeiten der Zusammenarbeit. In der Vergangenheit gab es bereits gemeinsame Projekte mit Frau Prof. Sadowski und Prof. Walzel. Die Herren Professoren Kockmann und Schembecker haben Projekte mit denselben industriellen Partnern.

Seit einiger Zeit wird bei einer Neuberufung neben den Leistungen in der Forschung auch verstärkt Wert auf gute Lehre gelegt. Für unsere Studierenden ist das natürlich besonders spannend. An einen neuen, jungen Professor knüpfen sie einige Erwartungen. Was haben Sie sich vorgenommen in der Lehre und was ist Ihnen in diesem Bereich wichtig?

Ich sehe die Lehre als integralen Bestandteil des universitären Betriebes, ohne die richtungsweisende Forschung kaum möglich ist. Dies ist der Grund, warum ich die universitäre Laufbahn einer Tätigkeit in der Industrie oder einem unabhängigen Forschungsinstitut vorgezogen habe. Persönlich macht mir auch die Arbeit mit den Studierenden sehr viel Spaß und ich hoffe auf eine rege Zusammenarbeit.
Besonders freue ich mich, dass meine ersten Lehrveranstaltungen „Mechanische Verfahrenstechnik“, „Particle Technology“ und „Produktgestaltung“ von den Studierenden in der Evaluation positiv bewertet worden sind. Allerdings würde ich mir auch wünschen, dass die Studierenden in den Vorlesungen und Übungen noch stärker mitarbeiten. Auch neue innovative Lehrkonzepte setzen eine aktive Mitwirkung der Studenten voraus. Firmenexkursionen, Anschauungsstücke in der Vorlesung und moderne Praktikumsversuche können fehlendes persönliches Engagement jedes einzelnen Studierenden nicht kompensieren.

Woran werden Sie forschen und wie sehen Ihre Pläne in der Wissenschaft aus?

In den kommenden Jahren werde ich mich weiter mit der Granulation und der Doppelwellenextrusion beschäftigen. Weiterhin habe ich konkrete Pläne, die am Lehrstuhl durchgeführten Arbeiten zur Sprühtrocknung und zu Waschprozessen fortzusetzen. Ich freue mich, dass sich Herr Professor Walzel bereit erklärt hat, dieses in den kommenden Jahren zu unterstützten.

Herr Thommes, wir wünschen Ihnen in der nächsten sicher turbulenten Zeit an der Fakultät alles Gute und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Danke für das Gespräch. (Das Interview führte KLS)