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Lehrpreis der BCI an Konrad Boettcher

Der jährlich von der Fachschaft vergebene Lehrpreis der BCI ging in diesem Jahr an Dr.-Ing. Konrad Boettcher vom Lehrstuhl für Strömungsmechanik. In der Laudatio betonte die Fachschaft Boettchers Talent und seine nicht nachlassende Energie dabei, den komplizierten Stoff der Strömungsmechanik zu vermitteln sowie die vorbildliche didaktische Ausgestaltung seiner Übungen. Herzlichen Glückwunsch!
An welchen Prof sich Boettcher gern erinnert und wie er sich ideale Studierende vorstellt, lesen Sie hier in einem Interview mit dem Preisträger.

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Konrad,  herzlichen Glückwunsch zum Lehrpreis!

Danke!

An welchen Professor oder welche Professorin erinnern Sie sich in Ihrem Studium besonders und warum? 

Im Gedächtnis sind mir natürlich die Strömungsmechanik-Profs geblieben, was an meinem Faible liegt, Naturphänomene mathematisch beschreiben zu können. Von der Existenz des Erdmagnetfeldes über die V-Formation bei Flugvögeln bis hin zum Giants Causeway liefert die Strömungsmechanik die Erklärung. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir aber Prof. Mettheck mit seiner Vorlesung über Biomechanik (oder Baumbruchmechanik). Für jeden Sachverhalt hatte er haufenweise  lustige oder tragische Beispiele auf Lager. Das Lehrbuch war das von ihm verfasste Kinderbuch „Stupsi erklärt den Baum“, in dem alles kindgerecht erklärt war und somit auch für mich als Studenten leichter verständlich war, als ein normales Fachbuch. Wenn ich heute durch den Wald gehe, sehe ich noch immer Bananenbrüche, Schwimmringe und Unglücksbalken. 

Wie sieht für Sie der ideale Professor aus?

Ein idealer Professor nimmt seinen Lehrauftrag so wichtig wie seinen Forschungsauftrag und kann seine eigene Begeisterung auf die Studierenden übertragen. Er macht keinen Bogen um komplizierte Sachverhalte, sondern erklärt sie möglichst einfach und anschaulich und vor allem warum das wichtig ist. Bei schwierigen Nachfragen kann er auch zugeben, dass er keine Ahnung hat und verschiebt die Antwort.

Und wie sehen für Sie ideale Studierende aus?

Ideale Studierende haben Ecken, Kanten, Neugierde und Selbstbewusstsein. Idealerweise liegt natürlich ein Interesse an den behandelten Inhalten vor. Da meistens jedoch nicht unmittelbar klar ist, wozu das zu  Lernende verwendet werden kann und notwendig sein soll, müssen Studierende auch eine gehörige  Portion Frustrationstoleranz mitbringen oder erlernen können.

Wie macht man es, den Lehrpreis zu gewinnen?

Indem man  eigene Schwächen erkennt und versucht zu ändern. Dabei hilft ein kritischer Blick in die Evaluationsbögen ungemein. Zudem sollte kritisch überprüft werden, ob sich durchgeführte Änderungen auch wie gewünscht in folgenden Evaluationen widerspiegeln, oder ob die selbst für sinnvoll gehaltene Änderung vielleicht doch völlig unsinnvoll ist. Zudem sollte man stets  die Augen für spannende Dinge offen halten, die für eine Übung und/oder Vorlesung verwendet werden können, um damit die Motivation zu steigern. Geholfen hat mir natürlich auch unsere umfangreiche Aufgabensammlung, bei denen das in der Vorlesung gelernte Wissen an alltäglichen Phänomenen und Problemen aus Natur und Technik angewendet werden muss. Hier konnte man immer gut in der Vorlesung nicht verstandene Zusammenhänge identifizieren und klären.

Was macht Ihren Lehrstil aus?

Ich versuche mich eigentlich nur zu erinnern, was mich als Student am meisten gestört hat oder gestört hätte. Aus meinem eigenen Studium weiß ich, dass man während des Semesters zu viel zu tun hat, um bei der Stofffülle überall auf dem Laufenden zu bleiben. Daher versuche ich mit online-Zusamenfassungen das hervorzuheben, was für das weitere Verständnis wirklich wichtig ist. Weiterhin fand ich selbst die in der Übung/Vorlesung auftretenden Fehler ärgerlich, weshalb ich bei Rückmeldungen oder Fehlern Bugfixes fairerweise für alle online stelle oder auch versuche einen Sachverhalt auf der Homepage zu klären, wenn ich merke, dass er nicht angekommen ist. Ich kann mich auch noch an meine kurze Aufmerksamkeitsspanne erinnern, weshalb ich in Übungen jeden Aufgabenteil nach dem Bearbeiten erneut zusammenfasse und dies auf unsere Homepage stelle. Um die Problemlösungskompetenz zu schulen führe ich Lösungswerkzeuge ein und zeige in Übungen, welche alternativen Herangehensweisen möglich, welche unmöglich sind und welche am einfachsten sind. Zudem versuche ich stets eine Motivation für das gerade behandelte Gebiet zu finden, sowohl für die Studierenden als auch für mich selbst.

Was verstehen Sie unter "guter Lehre"?

Gute Lehre erfolgt zunächst einmal in der Sprache der Lernenden. Schließlich will man sich ja nicht selbst etwas beibringen sondern den Studierenden. Gute Lehre ist keine reine Wissensvermittlung im Sinne von Faktenanhäufung, völlig egal wie aktuell die Fakten sind. Gute Lehre liefert Problemlösungskompetenz im Zusammenhang mit den notwendigen Grundlagen. Sonst verlassen die Universität Studierende mit 1-5 Jahre altem Wissen, aber ohne die Fähigkeit erlernt zu haben, selbständig neue Probleme zu erfassen oder zu lösen. Das Lösen von Problemen macht zudem Spaß (vielleicht auch erst  im Nachhinein), das Lernen von Fakten nicht und die sind auch schnell vergessen oder veraltet.

Was wünschen Sie sich im Bereich der Lehre für die Zukunft?

Neben mehr „guter Lehre“ wünsche ich mir verständlichere Lehrbücher und ausreichend große Lehrräume. Da man am meisten dadurch lernt, etwas selbst erklären zu müssen, wären vielleicht Tutorinnen und Tutoren aus dem laufenden Semester eine vielleicht unrealistische aber interessante Idee.

 (Das Gespräch führte KLS.)