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Abschied von Prof. Jörissen

Am 31.10.2013 hat Prof. Jörissen seinen letzten Arbeitstag an der Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen. Fast 40 Jahre lang dabei, gehört Herr Jörissen zum "Urgestein" der Fakultät. Anlässlich des Tags der BCI wurde er vom Dekan herzlich verabschiedet. Wir wünschen Prof. Jörissen einen schönen Ruhestand! Anlässlich seines Abschiedes schauten wir mit ihm zurück in die Vergangenheit.

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Herr Jörissen, Sie sind fast 40 Jahre an der TU Dortmund. Wie waren die Anfänge damals?
Am Osterdienstag, dem 16. April 1974, begann der Umzug aus dem Geschossbau 2 des Aufbau- und Verfügungszentrums AVZ (heute Campus Süd) in die Gebäude der Abteilung Chemietechnik auf der Hauptbaufläche (heute Campus Nord). Eigentlich hätte ich nach Abschluss meiner Diplomarbeit gerne noch etwas Urlaub gemacht, aber meine Assistententätigkeit musste sofort beginnen: mit Kistenpacken. Hier gab es außer unseren Neubauten schon das Gebäude der Pädagogischen Hochschule (heute Emil-Figge-Straße 50) aber sonst soweit das Auge reichte nur einen riesengroßen Acker, den das Land NRW für den Ausbau der Universität gekauft hatte. Mensa, Bibliothek, S-Bahn, H-Bahn und erst recht der Technologiepark waren noch Zukunftsmusik. Wegen der beginnenden Baustellen für die Gebäude der Chemie, Physik und Mathematik entwickelte sich eine große Schlammwüste.

Was hat sich seitdem verändert?
Bausünden mit Asbest und PCB wurden in mehreren Wellen saniert, sind aber immer noch nicht vollständig behoben. Wir heißen jetzt nicht mehr Abteilung Chemietechnik sondern Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen. Die verstärkte Hinwendung zum Bioingenieurwesen hat uns vor etlichen Jahren vor einem Untergang wegen zu geringer Studierendenzahlen bewahrt. In der Tendenz wurde das Geld immer knapper, Stellen wurden gestrichen, und heute läuft unsere Fakultät, weil sie ihre Mitarbeiter und Verbrauchsmittel ungefähr zur Hälfte aus Drittmitteln finanzieren kann. Verwaltungsaufgaben werden immer komplizierter, wobei man manchmal ihren Sinn schwer nachvollziehen kann.

Was ist für Sie das Besondere daran, an einer Universität zu arbeiten?
Es ist sehr interessant, immer wieder mit neuen jungen Leuten an aktuellen Projekten – auch aus der Industrie – innerhalb eines großen Freiraums mitarbeiten zu können und dabei vielleicht sogar erfolgreich einen Beitrag zu leisten.

Hätten Sie sich manchmal auch eine andere Arbeitsstelle gewünscht?
Vielleicht, wenn ich mich gerade einmal über etwas geärgert hatte. Aber ich habe gesehen, wie von meinen Kollegen und Mitarbeitern des Lehrstuhls manche in der Industrie eine steile Karriere gemacht haben, manche aber sogar ihren Job verloren haben. Dann bin ich sehr dankbar dafür, dass ich an der Universität auf einer sicheren Stelle eine sehr befriedigende Arbeit leisten konnte. Zu besonderem Dank bin ich Herrn Prof. Simmrock verpflichtet, der mir mit viel Mühe eine Dauerstelle an der Universität beschafft hatte, und dann Herrn Prof Behr, dass er mir die Tätigkeit auf meinem alten Arbeitsgebiet Technische Elektrochemie ermöglicht hat.

An welches Erlebnis erinnern Sie sich besonders gern?
Eine Firma, die Kleinelektrolyseanlagen z. B. für die Chlorung in Schwimmbädern baut, hatte mich um Rat gefragt, weil das Verfahren nicht richtig funktionierte. Bei Versuchen ärgerte ich mich darüber, die Pumpe für einen Kreislaufstrom nicht weiter drosseln zu können. Dann kam das Aha-Erlebnis, dass man diesen Strom auch weglassen konnte. Die Anlagen mit dem daraus entwickelten, wesentlich vereinfachten und betriebssicheren Verfahren hat die Firma dann gut verkaufen können und mir für meinen Arbeitskreis jahrelang eine Erfindervergütung gezahlt.

Und an welches nicht?
Einer der Chemikalienbunker, die damals noch den Lehrstühlen zugeordnet waren, geriet in Brand. Ich hatte vorher mit Prof. Simmrock darüber diskutiert, ob man bestimmte Abfälle zusammenschütten dürfe. Es waren bange Minuten, bis klar wurde, dass es nicht unser Bunker war. Wir haben dann schnellstens einen anderen Entsorgungsweg ausgearbeitet.

Wie stellen wir uns Ihr Leben als Pensionär vor?
So richtig wird sich kurzfristig nicht alles ändern, außer dass ich nicht mehr jeden Tag in mein Büro kommen werde. Auf Bitte von Herrn Prof. Behr biete ich in diesem Semester weiterhin Vertiefungsvorlesungen an. Mehrere Promotionen meiner Mitarbeiter stehen noch aus. Vor allem wird in Zukunft leider niemand mehr in unserer Fakultät auf dem Gebiet der Technischen Elektrochemie arbeiten, an den ich etwas übergeben könnte. Ich muss deshalb dafür sorgen, dass die Halle, in der meine Mitarbeiter bisher tätig waren, vollständig ausgeräumt wird und dann für die erforderliche PCB-Sanierung zur Verfügung steht. Später möchte ich vielleicht noch mit meinen bisherigen Industriepartnern im Gespräch bleiben, aber mich vor allem doch zusammen mit meiner Frau auch mit anderen Dingen beschäftigen, für die bisher immer keine Zeit war.

Vielen Dank und alles Gute für Sie! (Das Gespräch führte KLS)