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Prof. Norbert Kockmann tritt seinen Dienst an

Mit dem heutigen Tag tritt Prof. Norbert Kockmann als neuer Professor in die Fakultät Bio- und Chemieingenieurwesen ein. Kockmann wird die Bayer-Stiftungsprofessur "Apparatedesign" übernehmen.

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Die Bayer AG stattete die Professur mit 750.000 € aus und sieht diese Kooperation mit der TU Dortmund als einen weiteren Schritt beim Ausbau ihres strategischen Exzellenz-Netzwerkes mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Die Apparatetechnik wird in Zukunft eine noch bedeutendere Rolle bei der Planung und beim Bau von chemischen Produktionsanlagen spielen. Modularisierte Anlagen, ein Schwerpunkt der Professur, sollen für mehr Flexibilität und eine bessere Wirtschaftlichkeit sorgen. Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die Mikroverfahrenstechnik, mit deren Hilfe Produktionsanlagen im Kleinstmaßstab entwickelt werden können. Hier entlang zum Interview mit Prof. Kockmann, in dem er mehr Informationen zu seiner Person, seinem Werdegang und seinen Pläne in Lehre und Forschung gibt.


Herr Kockmann, herzlichen Glückwunsch und alles Gute zu Ihrem Start an der BCI. Da Sie hier bis jetzt erst wenigen bekannt sind, erzählen Sie uns doch bitte etwas zu sich.


Ja, vielen Dank für die Glückwünsche. Zu meiner Person: Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe drei Kinder. Im kommenden Sommer wird die gesamte Familie aus der Schweiz nach Dortmund ziehen. Das ist nicht mein erster Umzug, aber sicher der aufwändigste bisher. Vom Werdegang, ich habe an der TU München Maschinenwesen studiert, an der Uni Bremen promoviert und an der Uni Freiburg habilitiert. Dazwischen war ich noch 5 Jahre in der Industrie, so wie ich jetzt auch nach mehr als drei Jahren Industrietätigkeit wieder zurück an die Hochschule komme. Ich könnte noch viel mehr erzählen, doch erst zu den weiteren Fragen.


Wollten Sie schon immer Wissenschaftler werden?

Eigentlich wusste ich erst recht spät, was ein Wissenschaftler ist und macht, weil ich aus einer einfachen Arbeiterfamilie stamme. Als Schüler wollte ich Archäologe werden, doch die vielen Sprachen zu lernen hat mich abgeschreckt. Erst zum Abitur entschloss ich mich, das Ingenieurstudium aufzunehmen, was ich bisher nicht bereut habe. Die Kombination von systematischem, wissenschaftlichem Arbeiten und Praxisanwendung hat mir immer viel Spaß gemacht.

Was fasziniert Sie an der Arbeit an einer Technischen Universität?

Die Arbeit mit verschiedenen Kollegen, die sehr erfahrene und anerkannte Fachleute auf ihrem Gebiet sind. Auch möchte ich versuchen, mit Leuten aus anderen Fachgebieten wie der Chemie, dem Maschinenbau oder auch der Philosophie Anknüpfungspunkte zu finden und zu interessanten Forschungsprojekten zu kommen. Ich mag den Umgang mit jungen Menschen, die neue Ideen und Bewegung einbringen. Im Gegenzug hoffe ich, dass ich ihnen etwas für ihr (Berufs-)Leben auf den Weg geben kann.

Sie kommen jetzt von der Schweiz nach Dortmund. Es ist bestimmt nicht nur der gute Fußball, der Sie hierher zieht.
Haben Sie noch andere Verbindungen ins Ruhrgebiet?


Meine Frau wurde hier geboren und ihre Familie wohnt hier in der näheren Umgebung. Ich selbst wuchs im westlichen Münsterland auf. Wir freuen uns auf jeden Fall, wieder näher an Familie und Freunde zu rücken. Dortmund als große Stadt im Ruhrgebiet hat sicher auch viel für uns zu bieten, aber auch das Umland im Süden mit dem Sauerland oder im Norden das Münsterland. Ich freue mich schon auf die Wanderungen, Fahrrad- und Motorradtouren.


Seit einiger Zeit wird bei einer Neuberufung neben den Leistungen in der Forschung auch verstärkt Wert auf gute Lehre gelegt. Für unsere Studierenden ist das natürlich besonders spannend. An einen neuen, jungen Professor knüpfen sie einige Erwartungen. Was haben Sie sich vorgenommen in der Lehre und was ist Ihnen in diesem Bereich wichtig?

Zunächst darf ich den Studierenden das doch etwas trockene Fach des Apparatebaues als Pflichtvorlesung näher bringen. Ich möchte da meine Industrieerfahrung und moderne Entwicklungen für Hochleistungsapparate zur Prozessintensivierung einbringen. Das wird das Thema spannender machen und die wichtigen Herausforderungen für die Zukunft darstellen. Weitere Vorlesungen und Veranstaltungen möchte ich in Absprache mit meinen Kollegen gestalten. Auf jeden Fall möchte ich zum Studium Fundamentale beitragen mit Themen zur Technikgeschichte oder Technikphilosophie. Mein Habilitationsvortrag habe ich übrigens zum Thema „Technik und Heidegger“, dem großen Freiburger Philosophen, gehalten. Weiterhin möchte ich mich um intensive Kontakte ins Ausland bemühen, um Studierenden wie auch Doktoranden Auslandaufenthalte zu ermöglichen. Das halte ich für extrem wichtig, um den eigenen Horizont zu erweitern und auch neue Ideen und Möglichkeiten zu kreieren.

Woran werden Sie forschen und wie sehen Ihre Pläne in der Wissenschaft aus?

In den letzten Jahren habe ich auf dem Gebiet der Mikroreaktoren und kontinuierliche Prozessführung gearbeitet, was ich in Dortmund sicher weiterführen werde. Weiterhin möchte ich moderne Apparatekonzepte und Designmethoden für kostengünstige und effiziente chemische und biologische Prozesse erarbeiten. Dazu werden wir Vorgänge in einzelnen Apparateelementen simulieren und experimentell untersuchen und dafür geeignete Berechnungsmodelle entwickeln. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf den reibungslosen Übergang eines Prozesses vom Labor in den Produktionsmaßstab legen. Dies wird sicher auch in Zusammenarbeit mit den Kollegen in der Fakultät BCI, der TU, mit Bereichen der Bayer AG sowie mit vielen Partnern im In- und Ausland geschehen.

Herr Kockmann, wir wünschen Ihnen in der nächsten sicher turbulenten Zeit an der Fakultät alles Gute und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Danke für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Kirsten Lindner-Schwentick